Landesverwaltungsamt fördert Wiederherstellung des historischen Rittergutes Klein Oschersleben
Das Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt setzt auch im Jahr 2026 seine Unterstützung für den Erhalt bedeutender Kulturdenkmale fort. Für die Wiederherstellung des historischen Turms und der historischen Gauben am ehemaligen Rittergut Klein Oschersleben (Landkreis Börde) stellt das Land Fördermittel in Höhe von 20.000 Euro bereit. Dies geht aus dem aktuellen Zuwendungsbescheid hervor.
Die Maßnahmen umfassen insbesondere Arbeiten an der Holzkonstruktion, der Dacheindeckung sowie den Dachaufbauten und dienen der denkmalgerechten Sicherung des markanten Erscheinungsbildes des Herrenhauses.
Das Rittergut Klein Oschersleben blickt auf eine über mehrere Jahrhunderte reichende Geschichte zurück. Bereits im späten Mittelalter bestand hier ein adeliger Gutshof, der 1489 als Lehen an den Hofmarschall Hans von Kotze vergeben wurde. Die Familie von Kotze prägte den Ort über rund 400 Jahre hinweg maßgeblich und übte als Gutsbesitzer nicht nur wirtschaftliche, sondern auch rechtliche und gesellschaftliche Funktionen aus.
Rittergüter wie Klein Oschersleben waren wichtige Zentren der ländlichen Ordnung im vormodernen Sachsen-Anhalt. Sie waren in der Regel mit besonderen Rechten verbunden, darunter die Ausübung der Gerichtsbarkeit, wirtschaftliche Privilegien sowie Einfluss auf die Entwicklung der umliegenden Dörfer.
Das heutige Herrenhaus entstand in seiner repräsentativen Form in den Jahren 1874 bis 1878 auf älteren Fundamenten und wurde nach Entwürfen des Architekten Edwin Oppler errichtet. Damit spiegelt die Anlage sowohl die lange Tradition des Gutssystems als auch die baulichen Veränderungen der Gründerzeit wider, als viele historische Gutsanlagen modernisiert oder neu gestaltet wurden.
Neben der landwirtschaftlichen Nutzung spielte das Rittergut auch eine Rolle in der regionalen Wirtschafts- und Infrastrukturentwicklung: So wurde im 19. Jahrhundert zeitweise eine Zuckerfabrik auf dem Gutsgelände betrieben, was den Strukturwandel der Region hin zu einer stärker agrarindustriellen Prägung veranschaulicht.
Die Geschichte des Rittergutes ist zugleich Teil der wechselvollen Entwicklung des ländlichen Raumes: Nach Jahrhunderten adeliger Nutzung wurde die Gutsanlage im Zuge der Bodenreform nach 1945 enteignet und unterschiedlich genutzt, etwa als Schule oder Wohnraum.
Heute steht das Gebäude als Kulturdenkmal für diese vielschichtigen historischen Prozesse.
Die zuwendungsfähigen Gesamtausgaben für das aktuelle Vorhaben belaufen sich auf rund 69.200 Euro, die überwiegend durch Eigenmittel finanziert werden.
„Mit der Förderung leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Sicherung eines bedeutenden Zeugnisses der regionalen Gutskultur“, betont das Landesverwaltungsamt. „Rittergüter prägen bis heute das historische Erscheinungsbild vieler Dörfer in Sachsen-Anhalt und sind zentrale Träger der Landesgeschichte.“
Die Förderung erfolgt auf Grundlage des Denkmalschutzgesetzes des Landes Sachsen-Anhalt sowie der Denkmalpflegerichtlinie. Ziel ist es, historisch bedeutsame Bausubstanz zu bewahren, Schäden zu beheben und eine nachhaltige Nutzung zu ermöglichen.
Die Umsetzung der Maßnahme ist bis Ende des Jahres 2026 vorgesehen.
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